Cajon lernen: Wie Deine erste Unterrichtsstunde aussehen könnte


Cajon Unterricht

 

Vergangene Woche habe ich in meinem Artikel Endlich Schlagzeugunterricht! einen kleinen Einblick in eine imaginäre Unterrichtsstunde an den Drums gewährt.

 

Wie versprochen geht es nun an die Cajon, die passenderweise „kleines Schlagzeug“ genannt wird.

 

Zu Gast ist Probeschüler Max, Jugendlicher von fast 16 Jahren, Linkshänder und Sänger im Schulchor. Wie auch im obigen Artikel stellt das beschriebene Unterrichtsszenario lediglich ein Fallbeispiel dar.

Cajon Sitzhaltung und Spielweisen

Nach einer kurzen Begrüßung darf sich Max eine Cajon aussuchen. Er entscheidet sich für mein Lieblingsinstrument, das ich aus dem heimischen Proberaum mitgebracht habe.

 

Im Gegensatz zu den Schlagwerk Cajons, die ich ebenfalls im Unterricht verwende, klingt sie weniger warm und fast schon metallisch.

 

Nach der überstandenen Qual der Wahl erkläre ich dem angehenden Musiker Wissenswertes zur Sitzhaltung, die unbedingt entspannt sein sollte. Zugleich weise ich ihn darauf hin, dass eine gewisse Grundspannung für das Spielen nötig ist – ansonsten würden wir ja von der Cajon fallen. :-)

 

Der Schwerpunkt sollte sich idealerweise im Bauch befinden, nicht in den Schultern oder im Rücken.

 

Hierzu eine kleine Zwischenübung, die auch abseits des Musikinstruments durchgeführt werden kann:

 

  • Wir befinden uns in Spielposition und fühlen die Oberfläche, auf der wir sitzen. So simpel und doch nicht ganz einfach. Spürst Du´s?

 

Sind wir bei der Sitzhaltung angelangt, darf ein Ausflug zur allgemeinen Spieltechnik der Hände ebenso wenig fehlen. Diese zeigt sich für mich ähnlich entspannt, ohne „zu lasch“ zu sein.

 

Ich erkläre Max, dass er seine Hände beim Schlagen wahlweise vom Musikinstrument zurückziehen oder darauf liegen lassen kann.

 

  • Die kubanische Spielweise: Bei dieser Technik liegen die Finger nah beieinander, die Handfläche ist flach und federt nach dem Schlag von der Cajon zurück. Das ist die von mir bevorzugte Art zu musizieren.
  • Die peruanische Spielweise: Nach dem Schlag bleiben die leicht zum Hohlköper gekrümmten Hände auf dem Instrument liegen. Die Slaps sind weniger durchdringend, da sie lediglich von den ersten beiden Fingergliedern gespielt werden.

 

Möchte er beide Techniken mischen, ist das ebenso in Ordnung. Was er vor seiner Entscheidung wissen sollte:

 

Spielweise Nummer eins ist knalliger und dafür weniger differenziert. Im Vergleich dazu ist Technik Nummer zwei filigraner.

Noch mehr Basics - was wird wo auf der Cajon gespielt?

Cajon spielen Unterricht

 

Offensichtlich, meine Cajonspielweise ist puristisch:

 

So verwende ich lediglich drei Schlagarten, nämlich die

 

  • leisen Tips an der mittigen Oberkante der Kiste,
  • durchdringende Slaps in den oberen Instrumentenecken und
  • den tiefen Bass, der sich ungefähr in der Instrumentenmitte befindet.

 

Dieser Fokus auf drei Hauptschlagarten hat sich für mich über die Jahre bewährt, nicht nur im Unterrichtsgeschehen.

 

Für Anfänger ist diese Spielweise leicht zugänglich, ohne flach zu klingen. Dies liegt an den beiden Lautstärkeleveln, die durch leise Tips und laute Slaps sowie Bassschläge entstehen.

 

Bei Interesse seinerseits können darauf aufbauend selbstverständlich jederzeit weitere Schlagarten – z. B. Claps oder Fingerrolls - hinzugefügt werden.

 

Neben diesem Hinweis erkläre ich Max, dass jede Cajon unabhängig von ihrer Bauweise anders ist. Daher muss er selbst herausfinden, wo das Musikinstrument seiner Meinung nach am besten klingt.

 

Auch weise ich ihn darauf hin, dass sich der Klang der Kiste mit der Zeit verändern wird. Das liegt am verwendeten Material Holz.

Endlich: Die ersten Rhythmen trommeln

Cajon Basics – check. Jetzt geht’s ans Grooven.

 

Max ist Linkshänder und spielt den Bass zunächst durchgehend mit seiner führenden Hand. Das klingt so, als würde sich eine Herde Elefanten im Gleichschritt fortbewegen – passt, damit können wir arbeiten. :-)

 

Da die Tiere mehr als ein Bein haben, darf auch der Schüler beide Hände abwechselnd schlagen. Links, rechts, links, rechts … Diese Einspielübung wiederholt er sodann mit Slaps. Tips werden wir in dieser Stunde noch nicht spielen.

 

Gleiches gilt für Cajonnoten, die meinen Musikunterricht erst nach dem auditiven (=hörenden) Erfassen der Basics bereichern.

 

Somit werde ich die Grooves in diesem Artikel ebenfalls nicht ausnotieren, sondern die Schlagarten aufschreiben. Als Beispiel ein bekannter Standardbeat, den Max nun lernt:

 

 

            Slap                 Slap

Bass                 Bass

 

 

Diesen wiederholt der Schüler so lange richtig, bis er sich damit rundum wohlfühlt. Gäbe es Unsicherheiten, müssten wir diese zunächst beheben.

 

Schließlich stellt der Standardbeat die Basis für unsere weiteren Unterrichtsinhalte dar.

 

 

                     Slap                            Slap

Bass Bass                  Bass Bass

 

 

Dieser Groove, den ich gerne Queen-Beat nenne, bildet den nächsten Punkt auf meiner Agenda.

 

Da er bestens bekannt ist und erfahrungsgemäß selten Probleme bereitet, lasse ich ihn gleich zum passenden Song spielen: We Will Rock You.

 

Als Alternative zum Liedklassiker bietet sich das 2013 erschienene Rock mi von VoXXclub an, wobei ich Ersteres bevorzuge.

 

Die beiden doppelten Bassschläge werden schnell hintereinander gespielt. Es handelt sich dabei um vergleichsweise kurze Achtelnoten. Gesprochen sieht´s folgendermaßen aus:

 

 

                   Lang                       Lang

Kurz Kurz               Kurz Kurz

 

 

Da der Cajonschüler eifrig lernt, zeige ich ihm außerdem eine Variante des Queen-Beats. Diese bringt er zugunsten der Abwechslung im Song unter:

 

 

          Slap                        Slap

Bass             Bass Bass

 

 

Gesprochen:

 

 

           Lang                     Lang

Lang              Kurz Kurz

 

 

We Will Rock You rockt im Zweifelsfall aber auch ohne Variation. ;-)

Ohne Cajon Musik machen?

Mensch am Bahnsteig

Max ist begeistert vom Trommeln auf der Cajon. Er beschließt, ein wenig zu sparen und sich so schnell wie möglich eine eigene Klangkiste zu kaufen.

 

Die Frage ist nur: Wie soll er bis dahin üben? Sein Bandprojekt mit Jack steht schließlich schon in den Startlöchern.

 

Meine Antwort: Kannst Du Dir keine Cajon leihen, günstig selber bauen oder gebraucht kaufen, empfiehlt sich als vorläufiger Übekompromiss Bodypercussion.

 

Dieses Musizieren mit dem Körper ersetzt zwar keine Klangkiste, es hilft Dir aber dabei, Grooves einzuprägen sowie Unabhängigkeit, Rhythmik und Timing zu schulen.

 

Und es ist wirklich kinderleicht:

 

Beim Bodypercussion ersetzen wir den Bass mit einem stampfenden Fuß, der Slap wird geklatscht. Benötigen wir Tips, schnipsen wir diese.

 

Alles klar? Alles klar! :-)

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