Cajon in der Grundschule: Tipps & Ideen für Lehrkräfte

Cajon Unterricht Grundschule Kinder

 

Was passiert, wenn ein Kind eine Cajon sieht? 

 

Die Freude ist groß:

 

„Hey, die Kiste kenne ich aus der Grundschule!“

 

Juhu, da freue ich mich gerne mit. :-)

 

Aber:

 

So schön das Trommeln mit Kindern auch ist, so groß sind bei Lehrkräften oft auch die Fragezeichen.

 

Wie führst Du die Cajon kindgerecht in der Grundschule ein?

 

Und wie geht es dann weiter?

 

In diesem Praxis-Ratgeber erfährst Du,

 

  • wie Du Grundschulkindern die Töne der Kistentrommel spielerisch vermittelst,

  • was beim Einstudieren erster Rhythmen wirklich wichtig ist und

  • wie Du Sprache für die erfolgreiche Einführung nutzen kannst.

Die Grundlagen der Cajon: Gut sitzen & ergonomisch trommeln

Cajon Sitzhaltung

Ganz wichtig bei der Cajon ist eine ergonomische Sitzhaltung und Spielweise.

 

Das erkläre ich immer, bevor ich den Kindern die verschiedenen Töne der Sitztrommel vorstelle.

 

Dabei ist Lernen duch Machen unser Motto.

 

Zeige Deiner Klasse daher zunächst, wie alle

 

  • rückenschonend auf der Cajon sitzen und

  • die Hände beim Spielen halten sollen.

 

Es geht darum, den Grundstein für das gesunde Musizieren zu legen.

 

Sitzen die Kinder bequem und haben die Handhaltung verstanden? 

 

Dann dürfen ganz offiziell die ersten Töne auf der Trommel gespielt werden.

 

Übrigens: 

 

Eine ausführliche Anleitung zur ergonomischen Sitz- und Spielweise findest Du in meinem PDF E-Book Klopf, Klatsch, Cajon! für das notenfreie Trommeln in der Grundschule.

Cajon Grundschule Anleitung E-Book

Die verschiedenen Töne der Cajon spielerisch vermitteln

Ideen Cajon spielen mit Kindern Grundschule

 

Bei der Cajon handelt es sich um ein äußerst vielseitiges Rhythmusinstrument.

 

Es wird in der Musik oft als leiseres Gegenstück zum Schlagzeug eingesetzt. 

 

Dabei sind für uns drei Cajon-Klänge wichtig, nämlich

 

  • der tiefe Bass,

  • der hohe Slap

  • und der leise Tip.

Der tiefe Bass

Die tiefen und hohen Töne der Cajon bringe ich Kindern am liebsten anhand von Tieren näher:

 

Den tiefen Bass dürfen sich die Kinder so zum Beispiel als Elefanten vorstellen.

 

  • Zunächst spielen wir den Dickhäuter ganz schwerfällig.
  • Er trampelt laut über die Schlagplatte unserer Kistentrommeln.

 

Wenn Du diesen "elefantastischen Gruppenrhythmus" spielen lässt, finden die Kinder meist schnell einen gemeinsamen Puls.

 

Das Tempo pendelt sich in einer langsamen Geschwindigkeit rasch ein.

 

Ein Elefant trottet aber nicht nur gemütlich vor sich hin.

 

Manchmal rennt er auch - und die Klasse darf bewusst schnell spielen.

 

So lernen die Kinder ganz nebenbei auch die verschiedenen Dynamiken in der Musik spielerisch kennen.

Der hohe Slap

Der Elefant verdeutlicht den tiefen Bass.

 

Und die Ente steht für den hohen, durchdringenden Slap auf der Cajon.

 

Sie quakt gerne hoch und laut - das passt doch perfekt für eine kurze Rhythmusübung:

 

  • "Quake" auf der Cajon zunächst einmal lang und mache dann eine lange Pause.
  • Spiele also abwechselnd einen Slap (Viertelnote) und danach eine Viertelpause (Stopp). 
  • Dann wieder: Slap - Stopp - Slap - Stopp. Sprich das gerne rhythmisch mit.

 

Zur Differenzierung kannst Du Deine Rhythmusklasse dann in zwei Gruppen einteilen: 

 

Die eine Hälfte spielt den Slap wie gehabt. 

 

Die andere Hälfte ersetzt jetzt das Stopp, die Pause, durch einen Schlag.

 

So bekommt ihr ein rhythmisches Ping-Pong: 

 

Eine Gruppe spielt auf den Zählzeiten 1, 3. 

 

Die andere Gruppe trommelt auf den ehemaligen Pausen auf 2, 4, dem Backbeat.

Der leise Tip

Der leise Tip soll auf der Cajon mehr gefühlt und weniger gehört werden.

 

Er muss also wirklich sehr leise sein.

 

Dieses flüsterleise Trommeln fällt in der Grundschule oft noch schwer.

 

Daher kommt der Tip in meinem Musikunterricht mit Kindern vergleichsweise selten vor.

 

Zum Glück klingen Cajon-Rhythmen aber auch "nur" mit Bass und Slap schön, wenn sie schön gespielt werden.

 

Eine kurze Übung für die Einführung des Tips möchte ich Dir der Vollständigkeit halber aber trotzdem kurz zeigen.

Ganz leise Cajon spielen mit Kindern: Mäuse als Vorbild in der Grundschule

Für die Einführung des Tips sollen ganz, ganz leise Trippelschritte am oberen, mittigen Rand der Cajon gespielt werden.

 

Da Mäuse recht flink sind, darf die Klasse gerne schnell spielen.

 

Nur laut soll niemand sein.

 

Psst, wir muszieren mäuseleise!

 

Sollten die Kinder zu laut werden, weise sie mit einem "Schhh ..." darauf hin. 

 

Das wird meist gleich verstanden und die Lautstärke verringert sich wieder. 

 

Alternativ dazu kannst Du auch mit Handzeichen oder der Klangampel darauf hinweisen, dass die Kinder leiser spielen dürfen. 

Arbeitsblätter mit Klangampel für den Grundschul-Musikunterricht

Tierisch gut Cajon spielen - auch ohne Noten?

Die drei grundlegenden Töne der Cajon hat Deine Rhythmusklasse spielerisch kennengelernt. 

 

Diese könnt ihr jetzt in einfache Rhythmen einarbeiten. 

 

Dazu hast Du wieder mehrere Möglichkeiten. 

 

Ich nutze dafür am liebsten

 

 

Auf Musiknoten können wir also aktuell noch verzichten.

Die Cajon in der Grundschule mit Tierlauten erlebbar machen

Kinder Musikunterricht Cajon Ideen

 

Wir erinnern uns: 

 

  • Der Elefant steht für den tiefen Bass, 
  • die Maus für den leisen Tip und
  • die Ente für den hohen Slap.

 

Spielst Du jetzt zweimal den Bass und zweimal den Slap, wären das zwei Elefanten und zwei Enten. 

 

Mit diesem Wissen im Hinterkopf könnt ihr schöne Rhythmen basteln

 

Die Reihenfolge der Tiere darf dabei frei gewählt werden, etwa 

 

  • Elefant, Elefant, Ente, Elefant, Maus 
  • Elefant, Ente, Elefant, Ente
  • Maus, Elefant, Elefant

 

Gleichzeitig kannst Du jetzt auch schon Taktarten einbringen, zum Beispiel: 

 

Euer Rhythmus darf nur aus maximal vier oder drei Tieren bestehen. (4/4 oder 3/4 Takt) 

 

Schreibt Euch Eure Rhythmen auf Wunsch gerne auf, auch mit Abkürzungen: 

 

  • E = Elefant 
  • EN = Ente 
  • M = Maus

 

5 Ideen für schöne Tier-Rhythmen, die ihr gemeinsam ausprobieren könnt:

 

1.) E E EN 

2.) E EN E EN 

3.) M M M M E E E E 

4.) E E EN EN 

5.) E EN EN E 

Rhythmen für Kinder sprechend begreifbar machen

In meinem Gastbeitrag für das Stretta Journal habe ich darüber geschrieben, wie hilfreich Rhythmussprache ist. 

 

Auch im heutigen Cajon-Ratgeber für die Grundschule möchte ich näher darauf eingehen:

 

Tatsächlich bin ich mittlerweile noch stärker von der Kraft der Worte auch im Musikunterricht überzeugt. 

 

Denn:

 

Vor einiger Zeit unterrichtete ich eine Trommelgruppe mit Kindern und Jugendlichen, die aus der Ukraine fliehen mussten.

 

Verständlicherweise gab es zu Beginn eine größere Sprachbarriere, die wir bei uns in der Trommelgruppe jedoch dank zwei Wörtern recht schnell überwinden konnten: 

 

Bum und Tschack  

 

  • Das Bum steht für den tiefen Ton, das Tschack für den hohen Ton. 
  • Auf der Cajon steht Bum also für den Bass, Tschack für den Slap. 

 

Möchtest Du jetzt mit Deinen Grundschulkindern Rhythmen sprechend erarbeiten, kannst Du Noten durch diese beiden Wörter ersetzen.

 

Gleichzeitig gibt es aber noch andere Formen der Rhythmussprache, die sich genauso gut im Musikunterricht mit Kindern bewähren.

Flexibel rhythmisch sprechen in der Grundschule

Neben Bum und Tschack mache ich immer wieder sehr gute Erfahrungen damit, lange und kurze Noten mitzusprechen. 

 

Lang sind zum Beispiel Viertelnoten, kurz sind Achtelnoten. 

 

Das verstehen schon Kinder ab 5 Jahren.

 

In meinem PDF E-Book zum notenfreien Cajonspielen in der Grundschule setze ich zudem auf die Taktsprache mit BE und TE.

 

Der Grund: 

 

Sie sind bei schnelleren Rhythmen einfacher zu sprechen. 

 

Suche Dir also die Taktsprache aus, die zu Deiner Klasse passt. 

 

Das kann ein Klassiker wie die von Kodály, aber auch die Silbentrennung sein.

Was Du noch zur Cajon in der Grundschule wissen solltest

Die Cajon ist ein tolles Musikinstrument für Kinder ab Klasse 1.

 

Das liegt nicht nur an ihrer Zugänglichkeit, sondern auch an ihrer schönen Klangvielfalt. 

 

Außerdem ist die Sitztrommel leicht zu transportieren und vergleichsweise günstig. 

 

Kurz gesagt: 

 

Die steigende Beliebtheit der Cajon in der Grundschule kommt nicht von ungefähr. 

 

Vielleicht fragst Du Dich an dieser Stelle aber: 

 

Gibt es einen Haken?  

 

Ja: Wenn die Cajon sehr laut gespielt wird, können die Hände kurzzeitig rot werden und vielleicht sogar schmerzen. 

 

Aus diesem Grund ist es wichtig, auch leise zu trommeln und hin und wieder Pausen zu machen. 

 

Ich schüttele mit meinen Schülerinnen und Schülern die Hände zwischendurch aus, um Verspannungen oder Schmerzen vorzubeugen

 

Anschließend wird fleißig weitergetrommelt - im Klassenzimmer, aber auch darüber hinaus.

 

In diesem Sinne: 

 

Viel Freude beim Trommeln wünsche ich Dir und Deiner Rhythmusklasse.

 

Manu Holmer


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