Introvertiert als Musiker*in? Na klar!


Introvertiert als Musiker*in? Na klar! Tipps

 

Introvertiert als Musiker*in sein? Das geht doch gar nicht, oder? Doch, das geht. Und das geht sogar sehr gut. Unter uns gesagt sogar wunderbar.

 

Das weiß ich, weil ich selbst introvertierte Musikerin bin. :-)

 

Aus diesem Grund dachte ich mir: Hey, es wird Zeit für einen Blogbeitrag darüber. Et voilà, hier ist er.

 

Nachfolgend werde ich einige Missverständnisse zum Thema klären. Bist Du selbst introvertiert, kennst Du es sicher: Ne, Du bist nicht automatisch schüchtern. Und ne, auch nicht automatisch ruhiger oder gar einsam. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß ... :-)

 

Zusätzlich möchte ich Dir Tipps und aufmunternde Worte mit auf Deinen Weg als introvertierte*r Musiker*in geben. Denn auch da spreche ich aus Erfahrung: Manchmal kann es anstrengend sein. Aber hey, das gilt wohl für jeden - egal, ob wir uns als extrovertiert (beziehungsweise extravertiert), introvertiert oder vielleicht auch ambivertiert bezeichnen.

 

Und noch eine wichtige Info vorab: Jede Wesensart hat seine Berechtigung. Meiner Meinung nach ist keine besser oder schlechter. Das kommt natürlich immer auf die individuelle Betrachtung an. In diesem Fall handelt es sich um meine. :-)

Introvertiert Definition: Was ist das eigentlich?

Lass uns doch mit einer persönlichen Definition von Introversion starten. Hier gibt es, wie ich oft bemerke, noch einige Missverständnisse:

 

Introvertiert sein bedeutet, Energie aus inneren und nicht aus äußeren Faktoren zu ziehen. Während sich extrovertierte Menschen also beispielsweise nach einem stundenlangen Treffen mit vielen Menschen erfrischt fühlen, ist das Gegenteil bei introvertiert veranlagten Personen der Fall. Sie benötigen in der Regel viel mehr Ruhe und Zeit für sich selbst, um sich gut zu fühlen.

 

Zu viele Sinneseindrücke verarbeiten zu müssen ist für Introvertierte also oft anstrengend. Aus diesem Grund meiden sie laute Partys oder große Menschenmengen eher. Manche Definitionen sprechen zudem davon, dass introvertiert veranlagte Menschen im Gespräch mit anderen häufig passiv wären. Ich glaube, daher kommt auch das Missverständnis mit der Schüchternheit: Still sein kann nämlich auch bedeuten, dass gerade über das Gesagte nachgedacht wird.

 

Natürlich ist jeder Mensch unterschiedlich - was wunderbar ist. :-) Aus diesem Grund ist meine persönliche Definition auch nicht in Stein gemeißelt.

 

Was bedeutet das nun für Dich als introvertierte*r Musiker*in?

Von Rampensäuen und la Bohème

Das Bild eines Musikers oder einer Musikerin ist einerseits oft mit dem einer Rampensau verbunden. Du weißt schon, Sex, Drugs and Rock`n` Roll und so. Auf der anderen Seite scheint es den intellektuellen Bohemien zu geben, der oder die geniale Werke aus dem sorgsam zurechtgerückten Ärmel schüttelt.

 

Was stimmt jetzt? Beides zumindest in Ansätzen. Ja, auf der Bühne lassen wir es krachen. Hey, das ist schließlich unser Job? :-) Wobei obiges Beispiel natürlich überspitzt und damit fernab der Realität ist. Auf der anderen Seite ist auch der Bohemien eher romantische Fantasie als Wirklichkeit. Ja, Musiker*innen verbringen viel Übezeit im stillen Kämmerlein. Doch letztlich bringen wir unsere Kunst an den Mann oder die Frau - wir gehen also nach Außen.

 

Bist Du introvertiert, könnte Dir Letzteres schwerfallen: das sich präsentieren, Selbstmarketing oder einfach nur das Netzwerken in der Branche. Mir geht es zumindest so. Auch, wenn ich mich in diesen Punkten über die letzten Jahre schon massiv steigern konnte. :-) Und das kannst Du auch!

 

Mein Tipp hierbei ist, Du selbst zu sein. Aus diesem Grund gibt es zum Beispiel meinen Blog: Ich liebe es, in meinem eigenen Tempo zu schreiben. Facebook ist mir im Gegensatz dazu too much, daher nutze ich es derzeit auch nicht.

 

Möchtest Du also mehr Ohren auf Deine Musik lenken, wirb auf Deine Art. Das kann ein Blog sein, ein YouTube-Kanal oder andere Social Media Plattformen. Ich habe zum Beispiel Pinterest ins Herz geschlossen. :-) Gehst Du wie ich außerdem gerne auf Konzerte, ist das optimal. Hier entstehen nicht nur Branchenbekanntschaften, sondern oft auch echte Freundschaften. :-)

Welche Vorteile introvertierte Musiker*innen haben können

Introvertiert sein als Musiker*in - Vorteile und Nachteile

 

Zu Beginn dieses Artikels habe ich ja erwähnt, dass ich introvertiert bin. Daher kenne ich nicht nur die Schwierigkeiten, sondern auch die Vorteile dieser Wesensart sehr gut:

 

1 Introvertierten wird eine hohe Kreativität nachgesagt. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Für mich ist jeder Mensch kreativ. Diese Ader ist jedoch bei manchen weniger ausgeprägt als bei anderen. Da sich introvertierte Menschen oft viel intensiver mit den eigenen Interessen beschäftigen, ist sie womöglich einfach ausgeprägter.

 

2 Introvertiere sind gute Zuhörer: Wer weniger quatscht, hört mehr zu. Na klar! :-) Das ist nicht nur in der Musik Gold wert. Denn was ist das wichtigste Werkzeug von Klangkünstler*innen? Genau, die Ohren. Auf der anderen Seite lebt ein gutes Bandklima von einem produktiven Austausch. Und dieser lässt sich nur erreichen, wenn jeder zu Wort kommen darf. Gleiches gilt für eine gesteigerte Empathie, die introvertierte Frauen und Männer ebenfalls auszeichnen soll.

 

3 Konzentration und Fokus sind für den Erfolg beim Üben unerlässlich. Wobei: Natürlich nicht nur hier. Jedoch spielen sie beim Erreichen Deiner musikalischen Ziele eine wesentliche Rolle. Denn kannst Du nicht konzentriert üben, wirst Du Deinen gewählten Stoff nur schwer lernen können. Das zerrt an den Nerven! Dabei gelten Introvertiere als besonders konzentrierte Persönlichkeiten. Ob das stimmt? Ich kann wie immer nur von mir sprechen: Wenn ich in eine Aufgabe vertieft bin, dann richtig. Problematisch ist bei mir hingegen die Sache mit dem Fokus. So habe ich stets mehrere Eisen im Feuer, was organisatorisch nicht einfach ist. Aber hey, auch das hat wieder Vorteile.

Vorsicht: Diese Nachteile könnten Dich ausbremsen

Neben der bereits erwähnten Scheu vorm Selbstmarketing gibt es weitere Nachteile der Introversion, die Dich auf Deinem musikalischen Weg ausbremsen könnten. Es lohnt daher, die potenziellen Stolpersteine zu kennen:

 

1 Introvertierten Musiker*innen fällt es manchmal schwer, neue Kontakte zu knüpfen beziehungsweise diese zu pflegen. Das schließt auch die Kommunikation mit Fans ein. Schließlich kostet jede Interaktion einen kleinen Teil der täglich verfügbaren Energie. Und mag der Reiz auch noch so klein sein - in Summe wird er dennoch irgendwann anstrengend. Problematisch kann ebenfalls die nicht selten vorhandene Oberflächlichkeit in der medialen Kommunikation sein. Der Umgang mit ihr liegt vielen Introvertierten schlicht nicht.

 

2 Das Streben nach Perfektionismus oder das eigene Licht unter den Scheffel zu stellen sind ebenfalls zwei Dinge, die viele introvertierte Musiker*innen gut können. Keine gelungene Kombi - vor allem in Verbindung mit fehlendem Marketing. Das ist mehr als schade. Ich will gar nicht wissen, wie viele geniale Werke uns deswegen nicht zu Ohren kommen (werden). :-/

 

3 Evolutionsbedingt sind wir Menschen darauf ausgerichtet, anderen zu gefallen. Klar, ansonsten hätten wir nicht überlebt. Genau wie dieses Verhalten. Als introvertierte Frau kann ich davon ein Lied singen: In der Vergangenheit wurde oft angedeutet, dass etwas mit mir nicht stimmen würde. Ich müsse halt einfach die Zähne zusammenbeißen. Und überhaupt: Wenn ich etwas wirklich wollen würde, dann könnte ich das auch ... Nö, eben nicht. Eine höhere Sensibilität wird offensichtlich als Schwäche ausgelegt. Was natürlich Bullshit ist. Wer jedoch immer wieder hört, dass er oder sie "falsch" wäre, wird sich irgendwann zurückziehen.

 

Die genannten Vor- und Nachteile erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wie gesagt: Jeder Mensch verfügt über individuelle Stärken und Schwächen.

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Tipps für introverierte Musiker*innen

Akzeptiere Dich so, wie Du bist:

 

Introvertiert sein ist kein Makel. Sicher, es hat seine Nachteile. Aber hey, jede Medaille besitzt zwei Seiten! Und die Vorteile sind ja auch nicht ohne. :-) Ich sehe das an mir: Meine Konzentration und Geduld sind in diversen Lebensbereichen unbezahlbar. Etwa im Musikunterricht oder bei der erfolgreichen Umsetzung unterschiedlicher Projekte. Daher frage ich Dich einfach mal frei heraus:

 

  • Welche Stärken hast Du?
  • Und wie kannst Du sie als introvertierte*r Musiker*in auf Deine Art nutzen?

 

Mach es trotzdem:

 

Durchdenkst auch Du manche Entscheidungen eine halbe Ewigkeit? Dann geht es Dir wie mir - willkommen im Klub! :-) Auch diese Eigenschaft ist in vielen Fällen Gold wert. Oft ist sie aber auch: hinderlich, nervig, kontraproduktiv. Ich weiß, wie schwer es manchmal ist, sich zu überwinden. Dennoch: Mach es trotzdem! Denn die meisten Worst-Case-Szenarien in unserem Kopf schaffen es sowieso nie in die Realität. Und klar: Geh immer in Deinem Tempo vor. Das kann auch sehr langsam sein. Oder zwei Schritte vor, einen zurück. Egal. Apropos!

 

Gehe Deinen eigenen Weg:

 

Jeder hat doch etwas, das ihn oder sie antreibt, nicht? Bei uns introvertierten Musiker*innen ist das Feuer klar. Oder zumindest der Funke. Trotz der starken inneren Stimme kann es jedoch passieren, dass Du Dir die Worte von anderen zu sehr zu Herzen nimmst - und Dich von Deinem Weg abbringen lässt.

 

In Verbindung mit den Erwartungen einer eher extrovertierten Gesellschaft ist das gerne ein großer Stolperstein. Daher: Obacht! Höre in Dich hinein, was Du wirklich willst. Denn andere Menschen kochen auch nur mit Wasser. (Auch, wenn sie Dir etwas anderes erzählen wollen.)

 

Tausche Dich mit Gleichgesinnten aus:

 

Wow, mit diesem Problem bin ich nicht alleine?! Diese Erkenntnis ist doch unglaublich befreiend, oder? Ernsthaft: Wir denken manchmal, dass andere Menschen überhaupt keine Schwierigkeiten hätten. Das stimmt natürlich nicht. Sag das mal unseren Gedanken ...

 

Aus diesem Grund halte ich den Austausch mit Gleichgesinnten auch für so wertvoll. Schließlich erkennst Du: Hey, das ist doch alles weniger dramatisch als gedacht. Und natürlich: Großartig, das kann auch ich!

 

Lerne stetig weiter:

 

Lernen rockt - das ist meine Überzeugung. Damals zu Schulzeiten war es das nicht. Mittlerweile sieht das ganz anders aus. Und klingt auch so. :-) Wenn Du weißt, was Du tust, fühlst Du Dich in der Regel automatisch sicherer. Davon kommt auch das bekannte Selbstbewusstsein.

 

Bist Du introvertiert und als Musiker*in aktiv, kann dieser Zusammenhang ungeahnte Welten eröffnen. Daher mein finaler Tipp: Lerne stetig weiter. Das baut Unsicherheiten ab und erlaubt es Dir, Deine Kunst auf Deine Art ausdrücken zu können. Beispielsweise in Deinem eigenen

 

  • Blog,
  • auf YouTube
  • oder entspannt zuhause.

 

Dabei nimmt Dir eine gewisse Sicherheit reichlich Druck und Stress. Was Du tust, wird Dir somit mit weniger Energieaufwand von der Hand gehen.

Introvertiert als Musiker*in sein: Passt.

Keine Frage: Introvertiert als Musiker*in zu sein ist manchmal nicht ohne. Schließlich sind Klangwelten von Natur aus laut. Aber eben auch leise! Denn jedem Klang liegt Stille zugrunde.

 

Als introvertierte Person übersehen wir das womöglich. Daher kann es lohnen, den Blick in regelmäßigen Abständen für das Wesentliche zu schärfen:

 

  • Was können wir?
  • Was wollen wir für uns und andere erreichen?
  • Und was ist unser persönlicher Beitrag zum großen Ganzen?

 

Uns zu verstellen oder zu wünschen, anders zu sein, würde dabei nicht helfen. Denn es ist, wie es ist. Wir sind introvertierte Musiker*innen. Und das ist gut so. Wären wir ambivertiert oder extrovertiert - würde das etwas ändern? Ganz ehrlich: Ich bezweifle es. Jeder Mensch hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Was Du daraus machst, liegt letztlich in Deiner Hand. Das sind die zwei Seiten der Medaille.

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Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Drummer92 (Donnerstag, 03 September 2020 23:12)

    Sehr guter Beitrag �

  • #2

    Manu Holmer (Freitag, 04 September 2020 10:57)

    Heyhey Drummer92,

    vielen lieben Dank Dir! :-)

    Liebe Grüße
    Manu