Musik im Kopf: Woher kommt der Ohrwurm?

Musik Ohrwurm

 

Wenn der musikalische Ohrwurm erst einmal da ist, wirst Du ihn so schnell nicht mehr los.

Geht es Dir auch so?

Ich kann davon auf jeden Fall ein Liedchen singen.

Erst kürzlich war es mal wieder so weit.

Aus diesem Grund habe ich mich gefragt:

 

  • Wo kommt der Ohrwurm in der Musik eigentlich her?
  • Warum betrifft er nur manche Songs beziehungsweise Liedteile?
  • Und kannst Du gezielt Musik schreiben, die sich im Kopf festbeißt?

 

Spannende Fragen.


Lass uns dem Phänomen Ohrwurm daher gemeinsam auf den Grund gehen.

Auf geht’s! :-)

Warum heißt es eigentlich Ohrwurm?

Im Tierreich gibt es Ohrwürmer, aber auch in der Musik.

Haben sie etwas gemeinsam?

Aber hallo!

„Ohrenkneifer“ oder Dermaptera, wie die Insekten heißen, sind die Namensgeber für das innere Dauergedudel.

Diese Bezeichnung soll auf den Operettenkomponisten Paul Lincke zurückgehen, der von 1866 bis 1946 lebte.

Tatsächlich gibt es im Deutschen bisher kein anderes Wort für den Ohrwurm, nur Umschreibungen.

Im Englischen aber schon.

Hier sprichst Du laut Wikipedia neben „earworm" auch von „sticky music“ oder „head music“.

Head music gefällt mir besonders gut.

Und nein:

Tierische Ohrwürmer haben in der Regel kein Interesse daran, sich im Gehörgang festzubeißen.

Sie leben am liebsten in der Nähe von Wäldern, in Gärten oder Parks.

Wie wird Musik zum Ohrwurm?

Die sprachliche Herkunft vom musikalischen Ohrwurm haben wir also geklärt.

Doch warum wird ein bestimmtes Lied dazu und andere nicht?

Oder besser gesagt:

Normalerweise sind es ganz bestimmte Liedteile, die Du nicht mehr aus dem Kopf bekommst.

Mein aktuelles Beispiel dafür ist das Intro von „Come As You Are“ von Nirvana.

Viel häufiger werden aber Stellen in einem Lied zum Ohrwurm, in denen Text („Lyrics“) vorkommt.

Denke nur einmal an den Refrain oder Chorus von diesen drei Welthits hier:

  • „I’m Gonna Be (500 Miles)“ von The Proclaimers,
  • „We Will Rock You“ von Queen,
  • „The Final Countdown“ von Europe


Wie wird Musik also zum Ohrwurm?

Eine Frage für die Zukunft

Ohrwurm Musik wie entsteht er

 

2024 ist noch nicht zu 100 Prozent geklärt, woher der Ohrwurm kommt.

Die Wissenschaft forscht noch am Phänomen.

Es wird aber vermutet, dass das Gedächtnis der Hörregion im Gehirn und die motorischen Regionen des Stirnhirns eine Rolle dabei spielen.

Außerdem erklärt Christoph Reuter, Professor für Systemische Musikwissenschaft an der Universität Wien in diesem Beitrag bei deutschlandfunkkultur.de, dass sich unser Gehirn selbst Muster sucht, wenn es nichts zu tun hat.

 

Bei eher monotonen Tätigkeiten wie beim Duschen oder Kehren wird ein Ohrwurm also wahrscheinlicher.

Zugleich gibt der Professor an, dass häufige Wiederholungen kurzer Phrasen den Nährboden für die Musik im Kopf bilden.

Eine einfache Melodiebildung, also lange Noten und kleine musikalische Intervallen, braucht der Ohrwurm folglich für seine Entstehung.

Das erklärt auch, warum sich bestimmte Songs im Kopf festkrallen und andere nicht.

Gleichzeitig gibt es aber noch weitere Thesen, warum Ohrwürmer entstehen.

So heißt es zum Beispiel, dass das Gehirn einzelne Musikschnipsel als unvollständige Information weiterdenkt.

Es möchte die Musik also vervollständigen.

Daher entstehen Ohrwürmer häufig, wenn Du nur einen Ausschnitt aus einem Lied hörst oder Du nach einer langen Pause wieder über einen Song stolperst.

Zusätzlich habe ich beim SWR gelesen, dass musikaffine Menschen generell anfälliger für Ohrwürmer sein sollen.

 

Das klingt schlüssig.

Hörst oder machst Du selbst viel Musik, ist Dein Gehirn einfach voll im Thema drin.

Damit steigt logischerweise auch die Möglichkeit, einen Ohrwurm zu haben.

Und das bringt mich zu einer weiteren, extrem spannenden Frage:

Kannst Du gezielt Musik mit Ohrwurm-Faktor schreiben?

Wenn Du Musik von heute und früher vergleichst, liegen gefühlt Welten dazwischen.

Klar, denn die Musiklandschaft wandelt sich ständig.

Wenn etwas sicher ist, dann die Veränderung.

Könnte es aber nicht trotzdem sein, dass es so etwas wie eine allgemeingültige Hit-Formel gibt?

Diese Frage stellt sich auch die Wissenschaft:

 

Rockgitarrist und Musikwissenschaftler Volkmar Kramarz etwa analysierte an der Universität Bonn besonders erfolgreiche Popsongs aus den Jahren 2007 bis 2014 musiktheoretisch.

Es handelte sich bei der durchleuchteten Musik um Songs, die Preise wie den

 

  • Grammy,
  • Echo oder die Auszeichnung
  • Single des Jahres aus Deutschland und Großbritannien


erhielten.

Auch die Siegerlieder des Eurovision Song Contest waren Teil seiner Analyse.

Sie ergab zum Beispiel, dass die meisten dieser kommerziell erfolgreichen Musikstücke auf drei bestimmten Akkordfolgen aufbauen.

Welche Akkorde das sind, kannst Du direkt im Beitrag der Frankfurter Rundschau nachlesen.

Das empfehle ich Dir vor allem, wenn Du selbst Songs schreibst.

Noch ein paar persönliche Gedanken zum Dauergedudel

Als lehrende Musikerin bin ich ständig mit den unterschiedlichsten Melodien und Rhythmus umgeben.

Daher weiß ich aus erster Hand, dass nicht nur Lieblingssongs zum Ohrwurm werden.

Im Gegenteil!

Oft beißen sich gerade die

 

  • Melodien,
  • Lyrics oder
  • Akkordfolgen


im Gehörgang fest, die mich fast schon unangenehm berühren.

Bei Musik in Werbevideos fällt mir das besonders oft auf.

Vielleicht kennst Du das auch?

Ich denke also auf jeden Fall, dass Musik mit Ohrwurm-Faktor bewusst geschrieben werden kann - und auch wird.

Diese Vermutung unterstreichen spezielle

 

  • Akkordfolgen,
  • rhythmische Schemata
  • oder Harmonien,


die bei kommerziell erfolgreichen Songs immer wieder vorkommen.

Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass jede einzelne Sekunde extrem viel Musik veröffentlicht wird.

Wir bekommen aber immer nur die Songs mit, die in irgendeiner Art und Weise viral gehen.

Sei es jetzt in den Charts oder auf Social Media.

Den Großteil der Veröffentlichungen werden wir aus diesem Grund nie hören.

Dabei spielt es auch keine Rolle, ob ein Song besonders beliebte Akkordfolgen enthält oder nicht.

Es gibt also bestimmte Muster, die den Erfolg von Musik positiv beeinflussen können.

Was zum Hit oder Ohrwurm wird, hängt aber von vielen, vielen weiteren Faktoren ab.

Glück gehört natürlich dazu.

Die größten Dinge im Leben lassen sich nämlich selten planen.

Ob das auch in Zukunft noch auf den Ohrwurm zutreffen wird?

Wenn Du magst, teile gerne Deine Meinung dazu.

Manu :-)

 

PS:

 

Welchen Ohrwurm hast Du gerade?

 

Bei mir ist es immer noch das Intro von "Come As You Are".

 

Du weißt schon ...

 

Badadadam badadadam badadadadadam


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